Was tun wenn der Auftraggeber (Agentur, Arbeitgeber, Kunde) nicht zahlt?

Jeder von uns, der im Internet Geld verdient und Selbständig unterwegs ist, wird so etwas schon mal erlebt haben. Man bekommt eine Anfrage um einen Artikel zu erstellen. Thematisch passt alles zusammen und die Konditionen sind mit dem Frager ausgehandelt.

Es wird ein Zahlungsziel nach Leistungserstellung vereinbart und der Artikel wird geschrieben und Veröffentlicht. Doch dann verstreicht die Zeit und der Kunde/Auftraggeber hat zum Zahlungsziel nicht gezahlt.

Zum einen ist das sehr ärgerlich, aber es kann auch gefahren bergen. Hat man selbst erst mit der Selbständigkeit angefangen, ist jeder Euro knapp. Aber auch das Vertrauen in solche Angebote kann verloren gehen. Wenn es dann das erst mal auftritt weiß man auch nicht was man tun soll.

Daher möchte ich in diesem Artikel einen solchen Weg skizzieren und aufzeigen was man wohl alles tun kann um an sein Geld zu kommen.

Wichtiges Vorweg

Damit man später auch eine rechtliche Handhabe hat, sollte man sich den Auftrag mit Konditionen bestätigen lassen. Im Normalfall reicht ein PDF mit den entsprechenden Vertragsbestandteilen.

Besser ist es sich hier ein Fax schicken zu lassen. Viele E-Mail-Anbieter bieten solche Services an. Damit ist man dann auf der sicheren Seite. Das Honorar muss dort genauso vermerkt sein wie die Terminlage. Also Lieferung und auch Zahlungsziele.

Der Kunde zahlt nicht

Nun tritt der tolle Fall ein das der Kunde nicht zahlt. Man wartet auf das Geld und innerlich ärgert man sich schon. Hätte man das doch auf Vorkasse gemacht oder was soll ich jetzt tun?

Diesen Ärger muss man als erstes herunterschlucken. Schließlich arbeiten auch bei den Kunden Menschen und diese können auch mal einen Fehler machen. Der erste Schritt ist also das Gespräch.

Gespräch suchen

Hat man bisher per E-Mail kommuniziert, kann man dies nun auch tun. Es sollte also ein Schreiben verfasst werden, bei dem es mit höfflichen Ton darum geht den Kunden zu erinnern. Das kann schon kurz nach dem Zahlungsziel aufgesetzt werden.

Seht diesen Schritt als Erinnerung an. Als kleine Aufforderung um zu den Kunden dazu zu bringen mit Euch zu reden. Die meisten Kunden haben manchmal ein technisches Problem und denken nicht daran Ihre Auftraggeber/Auftragnehmer zu informieren.

Hier soll es nur darum gehen zu Erfahren was eigentlich los ist. Bei Bestandskunden ist das der beste Weg und sollte auch so gepflegt werden. Schließlich will man länger mit den Kunden zusammen arbeiten.

Bei Neu-Kunden muss man sich hier einfach mal zurück nehmen. Auch wenn es manchmal schwer fällt, denkt hier positiv und geht davon aus das es keine Absicht war.

Sollte hier keine Reaktion erfolgen oder wird man hier vertröstet, kann man zum nächsten Schritt übergehen.

Zahlungserinnerung oder Mahnung schicken

Meistens ist man hier schon etwas verärgert. Nicht nur das man sein Geld nicht erhalten hat, nein man bekommt vielleicht auch keine Antwort auf das erste Schreiben.

Oder man erhält Satze wie: “Da muss ich doch mal in der Buchhaltung nachfragen”. Wer nun auch noch mit dem Geld gerechnet hat, der wird sich noch mehr ärgern.

Trotzdem sollte man auch hier Ruhig bleiben.

Eine Zahlungserinnerung wird schon wie eine Mahnung gewertet. Nur hört sich Zahlungserinnerung noch etwas positiver an.

Hier sollte man auch darauf verweisen, dass man immer noch davon ausgeht das etwas nicht stimmt. Schließlich gibt man dem Kunden dadurch keinen Anlass gleich die Scheunentore zu zuschmeißen und den Weg einer gütlichen Einigung zu verbauen.

Drei Mahnung und dann ist genug

Auch wenn es keine rechtliche Grundlage für das 3-Mahnungsverfahren gibt, hat sich dieses etabliert. Mit der Zahlungserinnerung hat man die erste Mahnung geschrieben. 2 sollten nun folgen.

Damit der Kunde auch den Ablauf kennt, sollte man Ihm nach jeder Mahnung (auch nach der Zahlungserinnerung) genügend Zeit geben, den Umstand zu beheben. Bei Überweisungen sind das 3 Werktage. Also kann man die Mahnungen in einem Rhythmus von 7-14 Tage schicken.

Man sollte auch darauf achten, dass man das Datum einträgt zu welchem die Frist gesetzt ist. Das bindet den Kunden und gibt Euch die Möglichkeit genau nach diesem Datum den nächsten Schritt einzuleiten.

Rechtlich bedeutet eine Mahnung übrigens das der Kunde ab dem Zeitpunkt in Zahlungsverzug geraten ist und dass ab nun auch Verzugszinsen fällig werden.

Sollte nun der Kunde immer noch nicht bereit sein den fälligen Betrag zu zahlen, dann kommen nun die Schweren Geschütze.

Der Anwalt schreibt

Bisher konnte man noch alles allein regeln. Die rechtliche Grundlage dafür hatte man. Sollte der Kunde nach der dritten Mahnung immer noch nicht zahlen, dann folgt der Gang zum Anwalt.

Hierbei geht es erst einmal wieder um ein Schreiben. Dieses mal kommt das Schreiben nun vom Anwalt und das macht beim Kunden doch schon meist Eindruck.  Wer an diesem Punkt angelangt ist, sollte sich auch sicher sein das das Verhältnis zum Kunden nun vorüber ist.

Das Anwaltsschreibe macht dem Kunden klar, dass der nächste Schritt das Gerichtsverfahren ist. Darauf wird der Anwalt auch achten. Schließlich wird der Anwalt prozentual nach der Höhe des Streitwertes bezahlt. Natürlich muss der Kunde diese tragen und meist wird in dem Anwaltsschreiben eine solche Kostenrechnung schon aufgestellt. In Deiner letzten Mahnung solltest Du also auf diese Schritte hinweisen.

Bringt das alles nichts wird es nun eklig. Es geht in eine Klage.

Klagen gegen den Kunden

Der Anwalt wird auch in seinem Schreiben eine Frist gesetzt haben. Das ist immer wichtig. Sollte nun die Frist abgelaufen sein, dann obliegt Dir die Entscheidung in ein Verfahren zu gehen oder alles abzublassen. Da Du aber nun auch schon Geld in die Hand genommen hast, sollte das Verfahren eröffnet werden.

Dein Anwalt kann nun ein Schreiben aufsetzen und Klage gegen Deinen Kunden einreichen.

Wichtig ist nun eine wirklich gute Rechtsberatung. Dein Anwalt kann dies Übernehmen. Leider musst Du nun selbst erst einmal die Kosten vorstrecken. Ein solches Verfahren hat viele möglich Ausgänge. Solltest Du aber diesen Weg eingehalten haben, dann hast Du gute Chancen und kannst darauf hoffen das Verfahren zu gewinnen. Damit kommst Du an Dein Geld.

Fazit

Ich hatte zwar schon mit Firmen zu tun, die nicht gleich bezahlt haben, aber bisher ist da alles gut ausgegangen. Spätestens nach der Mahnung und einem ordentlichen Brief an die Geschäftsleitung, war das Thema vom Tisch. Trotzdem sollte man hier Vorsicht walten lassen.

Mittlerweile habe ich daraus gelernt.

Vorkasse oder Split der Rechnung

Höhere Beträge lasse ich splitten. Dabei möchte ich einen Teil vor der Auftragserfüllung haben und einen Teil bekomme ich nach Fertigstellung. Damit bekommt man schon einmal alle Firmen weg, die gar nicht zahlen wollen.

Bei kleineren Beträgen bestehe ich auf Vorkasse. Auch hier springen immer mal wieder Firmen ab. Was mir aber lieber ist, als meine Zeit zu investieren und dann doch kein Geld zu erhalten.

TIPP: Wichtig ist, dass Ihr es nicht einfach auf die leichte Schulter nehmt.  Ich weiß das es einfacher ist einen Strich drunter zu machen und sich nicht mehr zu kümmern. Schließlich kann man in der Zeit auch etwas anderes tun. Aber Schlussendlich sollte jeder darauf reagieren, wenn man für geleistete Arbeit nicht bezahlt wird.

Mindestens bis zur dritten Mahnung kann man gehen. Und je offizieller Ihr Euch anhört, desto bessere Chancen habt Ihr, dass der Kunde frühzeitig zahlt. Wie gesagt, bei mir lohnte es sich, als ich die Geschäftsführung bei E-Mails mit auf CC setzte. Das zeigt wie wichtig Euch das Thema ist.

Ansonsten wünsche ich es keinem, dass er nicht bezahlt wird.


Dieser Beitrag ist kein individuelle rechtliche Beratung oder ersetzt diese. Irrtümer und Fehler vorbehalten. Der Artikel stellt ausschließlich die Meinung und Erfahrungen des Autor dar.

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3 Kommentare

  • Ich kann mir nicht vorstellen, dass bei einem rechtlichen Vertrag ein Arbeitgeber nicht zahlt. Wobei wenn der Arbeitgeber Pleite hat, dann ist schon klar, könnte ja vorkommen.
    Beim Kunden könnte es schon passieren, weil der Kunde z.B. sagen kann, dass die Leistung nicht in Ordnung ist oder etwas anderes gefällt nicht, etc…. IMHO, bei Neukunden macht es Sinn, Vorkasse anzufordern, ansonsten weiß ja man, wer wie zahlt. Es würde mich interessieren, ob es im Internet einen Portal gibt, in dem man einer Firma eine Bewertung im Bezug auf die Verhältnisse abgeben kann. Dann kann man ja die “Nicht-Zahler” schnell finden.

  • Hallo Stefan,

    gelungener Artikel zu diesem Thema!

    Ich hatte bisher auch immer Glück gehabt und die Auftraggeber haben bisher immer gleich gezahlt.
    Musste lediglich mal eine Zahlungserinnerung verschicken.

    Den Weg zum Anwalt, würde ich weitestgehend vermeiden wollen. Denn hier werden auch wieder Kosten anfallen. Wenn kein Weg dran vorbei führt, dann muss man dies eben in Kauf nehmen.

    Aber der Hinweis, Aufträge vorab vertraglich festzuhalten, könnte einigen Ärger sparen.

    Viele Grüße

    Sven

  • Toller Beitrag, habe heute das erste mal vorsichtig nachgefragt bei einen Kunde, ob der Betrag von 30 Euronen schön überwiesen wurde :) Payday ist am 03.08 gewesen, bis jetzt keinen Antwort erhalten :(, das traurige an das ganze es handelt sich hierbei um eine Agentur :( die auch keinen Hemmungen gehabt hat, der Artikel noch mal überarbeiten zulassen, damit man der Link gleich ohne scrollen seht :( ….. und ich Deppen mach es auch noch

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